PREVAS - ET LA CAISSE DE PENSION FAIT PLAISIR.

Hardturmstrasse 126, 8005 Zürich
044 385 90 60

Route de Bettens 2, 1377 Oulens-sous-Echallens
024 550 01 81

info@prevas.ch

Ab auf die Insel - Barbezugsmöglichkeiten in der 2. Säule

08.07.2015 14:42

In der Pensionskasse kommt in einem Arbeitsleben sehr viel Geld zusammen. Mit vierzig Jahren haben manche Schweizer bereits gegen 100‘000 Franken in ihrem Zwangsspartopf gespeichert. Neben den 2. Säule-Sparguthaben sind oft keine bedeutenden Vermögenswerte vorhanden. Geerbt wird später und zum Sparen fehlen in diesen konsumfreudigen Zeiten Disziplin und Motivation.

Komme ich nicht irgendwie an diese PK-Gelder ran? - denkt sich da mancher, um bald resigniert festzustellen, dass bei der 2. Säule äusserst restriktive Barbezugsregeln gelten. Der Gesetzgeber will ja gerade, dass die Pensionskassenvermögen im Alter immer noch vorhanden sind und nicht vorher dem Konsum geopfert werden. Die Beitragszahler profitieren von Steuervergünstigungen und nehmen dafür eine Blockierung der Gelder über Jahrzehnte hinweg in Kauf. Eigentlich ein fairer Deal. So kann der Arbeitgeber seine Beiträge als Betriebsaufwand bei den Steuern abziehen und der Arbeitnehmer seinen Beitragsanteil vom steuerbaren Einkommen (ebenso wie weitere, freiwillige Einzahlungen in den PK-Topf, wie wir hier beschrieben haben)

Also ist es nachvollziehbar, dass der Staat die Gelder nur in aussergewöhnlichen Situationen freigibt. Wer vor der Pensionierung an sein PK-Geld herankommen will, muss Haus oder Wohnung kaufen, sich selbständig machen oder auswandern, und dies am besten ganz weit weg. Und nicht einmal bei diesen wenigen Ausnahmen lässt sich der Barbezug einfach umsetzen. Wir fassen hier das Wichtigste stichwortartig zusammen.                                                                     

Ich kaufe mir ein Haus oder eine Wohnung!    

  • Nur möglich, wenn es sich dabei um Ihren Hauptwohnsitz handelt, also z.B. keine Ferienwohnungen.
  • Ab dem 50. Altersjahr kann nicht mehr das gesamte Alterskapital bezogen werden.
  • Sie benötigen die schriftliche Zustimmung des Ehepartners, falls Sie verheiratet sind.
  • Ein Vorbezug ist nur alle 5 Jahre möglich.
  • Wenn Sie das Wohneigentum wieder verkaufen, müssen Sie den vorbezogenen Betrag zuerst wieder an die Pensionskasse zurückzahlen.

Ich werde mein eigener Chef und mache mich selbständig!    

  • Sie müssen im Sinne der AHV selbständig sein. Dazu gehört: Arbeit unter eigenem Namen, auf eigene Rechnung, in unabhängiger Stellung und auf eigenes wirtschaftliches Risiko. Zudem müssen Sie gegenüber der Ausgleichskasse erste Offerten und erste Rechnungen vorweisen können. Gar nicht so einfach bei Aufnahme einer selbständigen Arbeit.
  • Und bitte nicht mit eigener Mini-GmbH oder Mini-AG, denn in diesem Fall gelten Sie als Angestellter Ihrer eigenen Firma und können sich das PK-Geld nicht als Startkapital auszahlen lassen.
  • Zudem nicht ausser Acht lassen: Wer das Pensionskassengeld als Startkapital einsetzt und Pleite geht, beginnt bei der Altersvorsorge wieder bei null.

Ich werde Nomade und verlasse die Schweiz!   

  • Sicher ein interessanter Gedanke in Zeiten der Globalisierung und des ortsunabhängigen Arbeitens. Also Aufträge am Laptop mit WiFi-Anschluss in der Wikitaka-Bar auf Koh Samui erledigen.
  • Geht aber nur, wenn Sie die Schweiz definitiv verlassen, um sich im Ausland niederzulassen.
  • Wenn Sie in ein EU/EFTA-Land umsiedeln, können Sie sich nur den sogenannten überobligatorischen Anteil Ihres PK-Guthabens auszahlen lassen. Der obligatorische Teil bleibt auf einem Freizügigkeitskonto in der Schweiz bis zu Ihrem Pensionierungsalter blockiert.

Endlich 65 – ich will keine Rente sondern mein PK-Kapital in bar!

  • Seit 2005 muss jede Vorsorgeeinrichtung ihren Versicherten die Möglichkeit geben, mindestens einen Viertel des „obligatorischen“ Altersguthabens als Kapital beziehen zu können. Die meisten Pensionskassen erlauben aber ihren Versicherten den Bezug des ganzen Guthabens in Kapitalform.
  • In den meisten Fällen ist der Barbezug des gesamten Altersguthabens nicht empfehlenswert, wie wir in diesem Artikel beschrieben haben.

 

En bref: Der Gesetzgeber erlaubt den vorzeitigen Kapitalbezug nur in wenigen Ausnahmesituationen (Kurzfassung: Haus, Selbständigkeit, Insel, Pensionierung). Am häufigsten wird das PK-Kapital zur Finanzierung von Wohneigentum und bei der Pensionierung bezogen. Der Barbezug der Vorsorgeleistungen soll gründlich überdacht werden. Einmal bezogene Vorsorgegelder lassen sich nicht so einfach durch zusätzliche Spareinlagen wieder kompensieren. Mit dem Resultat, dass sich die Altersleistungen massiv reduzieren können. Also keine guten Aussichten für Rentner in spe mit normaler Lebenserwartung. Und nicht vergessen: Bei einigen Pensionskassen kann die Entnahme von Vorsorgekapital zu einer Reduktion der versicherten Invaliden- und Todesfallleistungen führen. Also unbedingt vor dem Kapitalbezug bei Ihrer PK nachfragen und allenfalls eine separate Risikoversicherung bei einem Privatversicherer abschliessen.