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Lebenserwartung: Bullen, Bären und Aktuare

07.04.2015 11:20

Hier geht es nicht darum, was Sie von Ihrem Leben erwarten, sondern wie sich die Lebenserwartung der Schweizer Bevölkerung weiter entwickeln wird. Damit verbunden ist eine ganze Palette von Themen, die für eine Gesellschaft von Bedeutung sind: Von der Aufgabenverteilung unter den Generationen über das Wählerverhalten bis hin zur Finanzierung der Altersvorsorge.

Bullen, Bären….

Der medizinische Fortschritt hat dazu geführt, dass sich in den letzten Jahrzehnten das Durchschnittsleben eines Schweizers um mehrere Jahre verlängerte. Fortschritte wurden insbesondere bei der Behandlung von Krebs und Herz-/Kreislauferkrankungen erzielt.

Optimisten gehen davon aus, dass es im gleichen Tempo weitergeht. Andere meinen, dass die Zunahme der beruflichen Hektik und der moderne Lifestyle diese Entwicklung kompensieren werden. Wir schlafen weniger, haben weniger Zeit zum Innehalten und Abschalten, bewegen uns nur im Fitness-Studio statt an der frischen Luft. Einige vereinsamen in Single-Haushalten, ernähren sich vorwiegend in Imbissbuden und arbeiten am Rande eines Burnouts. Es darf spekuliert werden, ob solche Faktoren einen ebenso grossen, aber entgegengesetzten Einfluss auf unsere „Restlaufzeit“ haben wie die Fortschritte in der Medizin.

…und die Sterbetafeln der Aktuare

Versicherungsmathematiker sind in einer schwierigen Lage. Neben den ungewissen Anlage-Erträgen der nächsten Jahrzehnte fehlt ihnen auch bei der Prognose der Lebenserwartung eine verbindliche Richtlinie. Diese beiden Grössen bestimmen den Umwandlungssatz der Pensionskassen (s. unser Artikel hier).

Aktuare stützen sich dabei auf sogenannte Perioden- oder Generationentafeln. Letztere gehen davon aus, dass die Menschen in den kommenden Jahren wie bisher immer älter werden, während die Periodentafeln von einer Vergangenheitsbetrachtung der Lebenserwartung ausgehen. Resultat: Mit Generationentafeln gerechnete Umwandlungssätze sind tiefer. Die Rentenzusagen haben jahrzehntelange Auswirkungen auf Pensionskassen. Wer will es ihnen verübeln, wenn sie eher vorsichtig rechnen und vermehrt Generationentafeln einsetzen.

Ein gewisser Herr de Grey

Aber was passiert, wenn es ganz anders kommt? Es gibt Forscher, die behaupten, dass wir das Potenzial für ein viel höheres Alter haben. Beispielsweise der Biogerontologe Aubrey de Grey. Für ihn ist Altern nichts als eine Krankheit, die heilbar ist. Google’s Venture-Manager Bill Maris spricht bereits von einer potentiellen Lebenserwartung von 500 Jahren (mehr dazu hier).

Auch wenn sich solche Versprechungen wie Phantasien von überdrehten Zukunftsoptimisten anhören, sind sie doch als mögliche Szenarien ernst zu nehmen.

35 Jahre Golf spielen?

Sollte sich die Lebenserwartung weiter nach oben entwickeln, reicht es nicht, lediglich an einigen Stellschrauben der Vorsorgemodelle zu drehen und beispielsweise den Umwandlungssatz immer wieder nach unten anzupassen. Neue Lebensarbeitszeitmodelle sind unumgänglich. Ist es sinnvoll, dass ein Mensch, der 100 Jahre alt wird, nur 40 Jahre arbeitet? Davor 25 Jahre Ausbildung und danach 35 Jahre süsses Rentnerdasein mit viel langer Weile.

Erstens lässt sich das nicht mehr finanzieren und zweitens möchten die meisten Menschen auch im Alter eine Aufgabe haben und nicht jahrzehntelang nur Golf spielen und Bücher lesen. Dazu müssen aber sinnvolle Tätigkeitsfelder für ältere Menschen geschaffen werden, welche deren Bedürfnisse und Möglichkeiten berücksichtigen. Teilzeitstellen sind zu schaffen, in denen sie ihre breite Lebens- und Berufserfahrung einsetzen können. Vollgas-Einsätze am Rand eines Burnouts sind für eine 70-Jährige keine Option. Erste zaghafte Versuche in diesem Bereich sind gemacht, aktuell auch wegen der Angst vor einem möglichen Fachkräftemangel. Beispiele sind AXA Flexwork und der Stellenvermittler Visberg.