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Pensionskassen erleiden Milliardenschaden durch die Zins-Politik der SNB

26.09.2016 09:11

Ein Gastbeitrag von Georg Brönnimann, eidg. dipl. Pensionsversicherungsexperte.

Das Schweizer Personalvorsorge-Modell setzt „risikofreie“ Zinserträge zur Erreichung der Leistungsziele als selbstverständlich voraus. Dies notabene über die Gesetzgebung, das BVG. In der Vergangenheit konnten die nötigen Erträge durch risikofreie Anlagen erreicht werden. Die aktuelle SNB-Geld- und Zinspolitik, die andere Ziele verfolgt, verwehrt den Pensionskassen den Zugang zu den erforderlichen Zinsen. In einem schwierigen Umfeld stehen die Interessen der Währungspolitik diametral jenen der Vorsorge gegenüber. 

Nicht nur die SNB verdient durch die Negativzinsen, auch der Bund und die Kantone profitieren: Sie können heute praktisch gratis Geld aufnehmen. Dies geschieht u.a. auf Kosten der 2. Säule, einem zentralen Pfeiler unseres Vorsorgesystems.

 

Der Schaden beträgt grob geschätzt CHF 6 Mrd. pro Jahr

Mit CHF 700 Mrd. Vermögen ist die berufliche Vorsorge ein Anlage-Schwergewicht. Für das Vorsorgekapital der aktiven Versicherten (also der Berufstätigen) gibt es die BVG-Zinspflicht. Die Verzinsung der Guthaben der Aktiven erfolgt zum BVG-Zinssatz, der vom Bundesrat laufend angepasst wird. Hier hat die Politik also ein Instrument, um die Pensionskassen schadlos durch Tiefzinsphasen hindurch zu manövrieren.

Auf dem Vorsorgekapital Rentner hingegen braucht es aufgrund gesetzlicher Vorschriften zwingend einen jährlichen „risikofreien“ Ertrag. Risikofrei deshalb, weil Rentner kaum zur Sanierung beigezogen und so Anlageverluste nicht verkraftet werden können. Stark vereinfacht: Das Vorsorgekapital Rentner müsste in sicheren Bundesobligationen angelegt werden können.

Das Vorsorgekapital Rentner beträgt rund CHF 300 Mrd. Je nach Umwandlungssatz wären 4 % oder mehr nötig. Die Pensionskassen haben mittlerweile einiges unternommen und ihre technischen Grundlagen angepasst. Die Mehrheit könnte sich mit 2% Zins arrangieren. Bei CHF 300 Mrd. ergibt auch das noch jährliche Zinskosten von CHF 6 Mrd.

 

Wer bezahlt die Zeche in Milliardenhöhe?

Die Pensionskassen reagieren auf die widrigen Umstände an den Anlagemärkten im Rahmen ihres Handlungsspielraums. Die Rentner sind  gut geschützt, weshalb die Lasten einseitig den aktiven Versicherten bzw. den Unternehmen aufgebürdet werden. Und zwar wie folgt:

  • Zu Lasten der aktiven Versicherten
    • Senkung des Umwandlungssatzes
    • Teile der Anlageerträge auf den Guthaben der Aktiven werden den Rentnern zugewiesen
    • Risikotransfer: Die Anlagerisiken der Rentner tragen die aktiven Versicherten
  • Zu Lasten der aktiven Versicherten und Unternehmen
    • Beiträge zur Finanzierung von Lücken und Pensionierungsverlusten
    • Beiträge an den Sicherheitsfondskosten für nicht sanierbare Rentenkassen

Es entsteht ein jährlicher Generationen-Lastentransfer in Milliardenhöhe!

 

Des einen Leid ist des anderen Freud

Die Pensionskassen sind heute mangels Alternativen gezwungen, Teile ihres Vermögens zinsfrei anzulegen und müssen die fehlenden Erträge durch Lohnabzüge und Leistungskürzungen kompensieren. Auf der anderen Seite können sich Bund und Kantone bei den Pensionskassen kostenfrei refinanzieren und erhalten noch eine Mrd. CHF vom SNB-Gewinn als Bonus. 

Nachdem die SNB-Zins- und Geldpolitik bei den Pensionskassen einen Milliarden-Kollateralschaden angerichtet hat und weiter anrichtet, sollten die Pensionskassen die Frage stellen, ob und wie der Verursacher bzw. die Profiteure dieser Geldpolitik mithelfen können, den Schaden künftig zu vermeiden bzw. zu minimieren.

Dies ist in keiner Form als Kritik an der SNB zu verstehen. Es ist vielmehr die Feststellung, dass die SNB-Politik „Nebenwirkungen“ hat. Dies verbunden mit der Absicht, gemeinsam mit der SNB einen Weg zu finden, diese „Nebenwirkungen“ zu reduzieren.

Eine Möglichkeit wäre das folgende SNB-Zins-Modell:

 

Ein einfaches SNB-Zins-Modell

Die SNB verzinst das Vorsorgekapital Rentner der Pensionskassen wie folgt:

Höhe des Zinses:          2 %
Umfang:                        maximal 100 % des Vorsorgekapitals Rentner
Dauer des Angebots:    solange bis die Rendite (exkl. Kursveränderung) der Bundes-Obligationen 2% beträgt.

Jede Pensionskasse kann das in der revidierten Jahresrechnungen ausgewiesene „Vorsorgekapital Rentner“ zu maximal 100 % bei der SNB anlegen.

Anmerkungen:

Das Missbrauchsrisiko ist gering. Zugelassen sind nur Schweizer Pensionskassen; der zulässige Betrag, das „Vorsorgekapital Rentner“ ist eindeutig und von der Revisionsstelle geprüft. Gelder aus dem Ausland haben keine Möglichkeit, dieses Gefäss zu benutzen.

Das „Vorsorgekapital Rentner“ beträgt rund CHF 300 Mrd. Falls die Mehrheit der Kassen mitmachen würde, ergäben sich Zinskosten für die SNB von maximal CHF 6 Mrd. pro Jahr (2% von CHF 300 Mrd.).

Die Negativzinsen bleiben der SNB als Instrument gegen den währungstreibenden Mittelzufluss erhalten.

 

Gewinner wären die aktiven Versicherten und die Firmen – die heutigen Verlierer

Profitieren würden die aktiven Versicherten und die Unternehmen; die oben beschriebenen Kompensationsmassnahmen, welche sie unfair belasten, würden ganz oder teilweise wegfallen.

 

Fazit

Es wird auf Dauer nicht möglich sein, die fehlenden Erträge durch Konsumation von Reserven und Lastentransfer auf die aktiven Versicherten und der Unternehmen zu finanzieren. Heute tragen vielmehr als die Pensionskassen (die die Lasten weitergeben) die aktiven Versicherten und die Unternehmen die Konsequenzen der SNB-Politik. Ein Ausgleich der Interessen könnte z.B. in Form des skizzierten SNB-Zins-Modells erzielt werden.

 

Links:
http://www.prevas-sammelstiftung.ch/news/wenn-die-alten-die-jungen-enteignen
http://www.aargauerzeitung.ch/wirtschaft/junge-zahlen-jaehrlich-schon-4-bis-5-milliarden-jaehrlich-nur-fuer-die-pensionierten-130240113 )