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PK-Gesetzgebung: Hatte das Ländle das bessere Händle?

17.12.2015 14:39

Heute wagen wir einen Blick über den Schweizer Tellerrand hinaus und lassen uns vom Liechtensteinischen Pensionskassen-Gesetz inspirieren. Unser östliches Nachbarland hat interessante Ansätze zu bieten, welche die berufliche Vorsorge vereinfachen und transparenter machen. Gerade jetzt, wo die Schweiz eine Generalüberholung der zweiten Säule diskutiert, sind neue Lösungen gefragt (Stichwort AV2020, siehe auch unseren Artikel hier). Umso wertvoller sind diese, wenn sie aus einem Land kommen, welches der Schweiz in seiner wirtschaftlichen und demografischen Struktur sehr ähnlich ist.

 

 

Zwar hat Liechtenstein bei der Einführung des BPVG im Jahre 1987 das Schweizer BVG als Vorlage benutzt, und dies nicht nur bei der Namensgebung. In wichtigen Punkten ist man aber von der Schweizer Lösung abgewichen. Einige Konstruktionsfehler des BVG konnten dank der Gnade der etwas späteren Geburt vermieden werden. Ein paar Beispiele gefällig?

Die minimale Invalidenrente beträgt schlicht und einfach 30% des anrechenbaren Lohnes. Es muss also nicht wie bei Schweizer BVG-Minimallösungen ein hypothetisches künftiges Alterskapital mit dem gerade gültigen Rentenumwandlungssatz multipliziert werden. Gleiches gilt für die übrigen Risikoleistungen (Hinterlassenen- und Kinderrenten), welche jeweils in Prozenten des anrechenbaren Lohnes versichert sind. Sicher die bessere Lösung, da transparent und für jeden Versicherten leicht verständlich.

 

   

 

Minimaler gesetzlicher Umwandlungssatz? – Fehlanzeige. Einen solchen findet man im BPVG nicht. Die Vorsorgeeinrichtungen können ihn frei wählen. Trotzdem ist der durchschnittliche Umwandlungssatz in Liechtenstein mit 6.2% etwa gleich hoch wie bei uns, wo er gemäss einer aktuellen Swisscanto-Studie bei 6.25% liegt. Umhüllende Schweizer Kassen mit hohen überobligatorischen Sparanteilen kümmert der eidgenössische gesetzliche Rentensatz von 6.8% nämlich wenig. Auch eine Minimalverzinsung sucht man vergebens. Die jährliche Verzinsung erfolgt im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten der Pensionskassen. Den Liechtensteinern bleiben also die regelmässigen helvetischen Scheingefechte um Umwandlungssatz und Mindestzins erspart (lesen Sie dazu unseren Artikel hier). Die Konkurrenzsituation im PK-Markt und die Parität in den Stiftungsräten der Vorsorgeeinrichtungen sorgen allemal für eine ausreichende Verzinsung.

Die minimalen Sparbeiträge sind im BPVG altersunabhägig definiert. Sie nehmen also nicht wie in der Schweiz nach Alter gestaffelt zu. Diese Regelung verbessert die Arbeitsmarktchancen der älteren Arbeitnehmer, welche bei uns wegen der höheren PK-Beiträge gegenüber jüngeren Konkurrenten oft im Nachteil sind.

Allerdings kann das vorhandene Pensionskassen-Kapital in Liechtenstein nicht wie bei uns für Wohneigentum eingesetzt werden. Für Häuslebauer ist dies sicher ein Nachteil. Es erleichtert umgekehrt aber die Pensionskassen-Verwaltung und dürfte stabilisierend auf das System der Altersvorsorge wirken. Im Zuge der Revisionsvorschläge aus dem Departement Berset wurde denn auch bei uns intensiv über die Einschränkung des PK-Vorbezugs für Wohneigentum diskutiert.

Die Liechtensteinische Pensionskassenlandschaft ist mit ihren gerade mal 40‘000 Versicherten in 24 Vorsorgeeinrichtungen (Stand 2013) viel kleiner als die helvetische. Dennoch kann der Blick nach Osten durchaus inspirierend sein für Schweizer Vorsorgespezialisten auf der Suche nach neuen Ideen.

Mehr zum Thema gibt’s hier in einer Zusammenfassung der Liechtensteiner Finanzmarktaufsicht. Wir empfehlen insbesondere den Vergleich der beiden Vorsorgesysteme Schweiz/Liechtenstein ab Seite 26.