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Rentenreform: Bleibt das BVG handgeschaltet oder braucht es einen Automat?

21.03.2016 10:46

Mittendrin statt nur dabei. Wir, die Akteure der beruflichen Vorsorge gehen regelmässig in den Infight um Zahlen und Grenzwerte. So auch bei den aktuellen Diskussionen um Bundesrat Bersets Rentenreform Altersvorsorge 2020. Selten haben wir Gelegenheit, mal einen Schritt zurück zu machen und uns eine Aussenansicht auf die Vorsorgemechaniken zu gönnen. Wir machen hier einen solchen Versuch, für einmal losgelöst von politischen Sachzwängen und festgefahrenen Meinungen. Wie könnte eine grössere Rentenreform aussehen, die keine Rücksicht auf „alte Zöpfe“ nimmt und die Gesundheit der Pensionskassen längerfristig sichert? – Es folgt ein Versuch, deklariert als Gedankenanstoss ohne Anspruch auf unmittelbare Realisierbarkeit.

Wir gehen von der Weiterführung der Vorsorge im 3-Säulen-System aus, mit gleicher relativer Gewichtung von AHV/IV, beruflicher und privater Vorsorge. Dieser Mix aus Umlage- und Kapitaldeckungsverfahren, obligatorischen und freiwilligen wie auch kollektiven und individuellen Elementen hat sich bewährt und gilt nicht nur in der Schweiz als optimale Lösung.

Bei der Festlegung von Rentenalter, Rentenhöhe und den Verzinsungsparametern sind jedoch einige grundlegende Veränderungen angebracht. Automatismen bei der Anpassung dieser Werte könnten zu einer langfristigen Sicherung der Vorsorge führen, verbunden mit einer Entspannung der politischen Debatte.


BVG-Zins: Die Verzinsung des BVG-Kapitals der aktiven Versicherten wird im Moment alljährlich vom Bundesrat festgelegt, auf Empfehlung der BVG-Kommission. Dieser Prozess ist meistens verbunden mit einem politischen Hickhack, wie wir es bereits hier beschrieben haben. Die resultierende Zinsvorgabe ist nicht transparent nachvollziehbar und erscheint durchaus willkürlich. Hier könnte die feste Anbindung an einen Leitzins oder an ein Vergleichsportfolio die bessere Lösung sein. So könnte zum Beispiel ein Portefeuille mit 60% Obligationen, 20% Aktien und 20% Immobilien herangezogen werden.

Ob es sinnvoll ist, den BVG-Zins jeweils ex ante, also vor dem Rechnungsjahr festzulegen, ist eine weitere Frage, die diskutiert werden sollte. Einiges spricht für eine nachträgliche Festlegung (ex post), eventuell sogar mit der Möglichkeit, die Performance der eigenen Pensionskasse mit einzubeziehen.

Technischer Zins: Er wird verwendet, wenn künftige Rentenleistungen auf einen Stichtag hin diskontiert werden müssen. Wir erklären dies kurz am Beispiel des „Barwertes“ einer Witwenrente: Bei einem hohen technischen Zins braucht eine Pensionskasse weniger Ausgangskapital, um eine lebenslange Witwenrente zu bezahlen, da man davon ausgeht, dass in den kommenden Jahren ein höherer Ertrag mithilft, die Witwenrente zu finanzieren. Jede PK kann heute diesen Zins selbst festlegen. Dazu holt sie sich den Rat ihres PK-Experten ein. Deren Standesorganisation empfiehlt im Moment einen Zins von 2.75% http://www.skpe.ch/home.html. Im aktuellen Anlageumfeld fallen diese Sätze auf breiter Front, aber nicht überall gleich stark. Warum eigentlich? Alle Pensionskassen haben das gleiche makroökonomische Umfeld, wenn sie Anlage-Entscheide fällen. Eine Vorgabe, ähnlich wie oben für den BVG-Zins beschrieben, könnte auch hier Sinn machen. Mit diesem Ansatz wären zudem die Deckungsgrade der Pensionskassen besser vergleichbar. Die Wahl des technischen Zinses beeinflusst den Deckungsgrad ganz direkt. Je höher der gewählte Zins, desto höher der (vermeintliche) Deckungsgrad. Natürlich würde ein solches Modell nicht mehr Rücksicht nehmen auf die aktuelle Anlagestruktur einer Pensionskasse: Eine hohe Risikofähigkeit aufgrund besserer finanzieller Polster erlaubt es einer Kasse, mehr Risiken einzugehen und so einen höheren technischen Zins zu verwenden als bei risikoarmer Anlagestrategie. Immerhin scheint uns eine Diskussion der Angleichung der technischen Zinse angebracht.

Langfristig gesehen sollten BVG-Zins und technischer Zins (also die Zinsen der Aktiven und der Rentner) gleich gross sein. Dies ist seit einigen Jahren nicht mehr der Fall. Aktuell gerade liegt der BVG-Zins bei 1.25%, der durchschnittliche technische Zins bei 2.76% (Swisscanto-Studie 2015).

Pensionierungsalter: Das Referenzalter für die Pensionierung ist an die AHV angelehnt und beträgt für Männer seit der Einführung des BVG 1985 65 Jahre, trotz einer massiven Erhöhung der Lebenserwartung in diesen drei Jahrzehnten. Eine Erhöhung des Referenzalters scheint also längerfristig unumgänglich. Anstelle von einzelnen Schritten, wäre die automatische Koppelung des Renteneintrittsalters an die statistische Lebenserwartung die elegantere Lösung. Dänemark hat bereits eine solche Lösung verabschiedet: ab 2027 soll das Pensionierungsalter entsprechend der Entwicklung der Lebenserwartung automatisch angepasst werden. In den letzten Jahren ist die Lebenserwartung in der Schweiz jährlich um etwa drei Monate gestiegen, also alle vier Jahre werden die Menschen hier statistisch gesehen ein Jahr älter.

Es stellt sich auch die Frage, ob nicht anstelle eines fixen Referenzalters neu ein variables Rentenalter eingeführt werden soll, inklusive Möglichkeit eines schrittweisen Rückzugs aus der Arbeitswelt. Der Bundesrat sieht dies in seinem Reformvorschlag AV 2020 übrigens bereits vor. Ein gleitender Rückzug aus dem Arbeitsleben zwischen dem 62. und dem 70. Altersjahr wird hier empfohlen.

Rentenhöhe/Umwandlungssatz nach der Pensionierung: Heute gelten Rentenumwandlungssätze nach erfolgtem Altersrücktritt als unantastbar. Man will damit Rentner vor finanziellen Schwierigkeiten schützen, da sie keine Möglichkeit mehr haben, als Kompensation für eine Senkung mehr Geld zur Seite zu legen. Wie lange dieses System noch aufrechterhalten werden kann, bleibt offen. Bereits heute wird systemfremd Geld von den aktiven (jungen) Versicherten zu den Rentnern verschoben. Eine Aufteilung in einen tieferen garantierten Umwandlungssatz und eine Bonusrente könnte hier Abhilfe schaffen. Die Bonusrente wäre dann in einem Automatismus festzulegen, der abhängig vom aktuellen Anlageumfeld ist. Beispiel: Bei der Pensionierung beträgt der garantierte Umwandlungssatz 5.5%. Im Jahr 2016 wäre aufgrund der schwachen Anlageerträge 2015 eine Bonusrente mit einem UWS von beispielsweise 0.1% auszuzahlen. Bei guten Anlageerträgen würden dann die Bonusrenten ansteigen. Bei der Festlegung der Bonusrente sollte die Höhe der Verzinsung der Sparkapitalien der Aktiven berücksichtigt werden.

Eine Anbindung der Bonusrente nicht nur an die Anlageerträge, sondern auch an die Entwicklung der Lebenserwartung wäre übrigens wünschenswert aber für Rentnerbestände schwierig umzusetzen.

Diese Vorschläge sollen als Diskussionsgrundlage dienen. Wir sind uns bewusst, dass deren Umsetzung im gegebenen politischen Umfeld nicht einfach ist. Mit der Einführung von Automatismen bei der Festlegung der wesentlichen Vorsorgeparameter wäre aber eine Entkoppelung der 2. Säule vom politischen Tagesgeschäft möglich, verbunden mit einer langfristigen Sicherung der Pensionskassen.