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Wenn die Teuerung die Rente wegfrisst. Gedanken zu Umwandlungssatz und Teuerung.

10.09.2015 15:25

An dieser Stelle wollen wir auf einen Sachverhalt hinweisen, der bei den Diskussionen um die Höhe des Umwandlungssatzes unseres Erachtens bisher zu wenig berücksichtigt wird: die Teuerung und der damit einhergehende Kaufkraftverlust der Pensionskassen-Renten.

 

Avenir Suisse: BVG-Mindestzins und Inflation

Avenir Suisse hat mit einem Blog-Eintrag vom 1. September 2015 zu Recht bemerkt, dass bei der Beurteilung des BVG-Mindestzinses auch die aktuelle Teuerung zu berücksichtigen sei. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die aber dennoch auf ein grosses Medienecho gestossen ist. Mit der folgenden Grafik zeigt die liberale Denkfabrik, dass die reale Mindestverzinsung der BVG-Alterskapitalien in den letzten Jahren trotz Senkung des Mindestzinses zugenommen hat. Also waren die politischen Grabenkämpfe um die Festsetzung des korrekten Minimalzinses viel Lärm um wenig (Lesen Sie dazu auch unseren Artikel vom 21. August 2015).

 

Teuerung frisst Rente, ein Beispiel

Wir wollen hier diesen Gedanken weiterführen und prüfen, ob er sich auch auf den Umwandlungssatz anwenden lässt.
Wer im ersten Jahrzehnt nach der Einführung des BVG (also 1985-1994) von einem hohen Rentenumwandlungssatz von 7.2% profitierte, sah den realen Wert seiner Rente wegen der hohen Teuerungsraten in diesen zehn Jahren um insgesamt 30% dahinschmelzen. Pensionskassen sind nämlich nicht dazu verpflichtet, die laufenden Altersrenten der Teuerung anzupassen. Dies im Gegensatz zu AHV-Altersrenten und PK-Risikorenten (also Invalidenrenten und Hinterbliebenenrenten), welche regelmässig anzupassen sind. Gemäss BVG Art. 36 A bs. 2 sind Altersrenten lediglich "entsprechend den finanziellen Möglichkeiten" der Vorsorgeeinrichtung der Preisentwicklung anzupassen. Auch in den Jahren mit hohen Teuerungsraten haben längst nicht alle Pensionskassen ihre laufenden Altersrenten erhöht. Die Kaufkraft der Renten nahm also über die Jahre oft deutlich ab.

Wer hingegen 2005 in Pension ging, erhielt zwar eine tiefere Rente, da inzwischen viele Pensionskassen ihren Umwandlungssatz gesenkt hatten. Wegen der niedrigeren Teuerung verlor diese Rente in zehn Jahren aber real nur knapp 4% an Kaufkraft, also viel weniger als im oben erwähnten Beispiel.

Hier können Sie die Teuerung für beliebige Zeiträume ab 1915 selber berechnen.

 

6% ohne Teuerung besser als 7.2% bei hoher Teuerung?

Eine Rente, die auf einem Umwandlungssatz von 6.0% basiert, kann bei tiefer Teuerung (wie im Moment der Fall) in zehn Jahren also real durchaus mehr wert sein als eine 7.2%-Rente bei hoher Teuerung. Eigentlich ebenso wenig überraschend wie die eingangs erwähnten Aussagen von Avenir Suisse zum BVG-Mindestzins. Aber genauso erstaunlich, dass auch dieser Zusammenhang bisher selten erwähnt wurde.

 

Was passiert, wenn die Inflation wieder zunimmt?

Beim Mindestzins kann die Politik schneller auf eine anziehende Teuerung reagieren und den Wert jährlich erhöhen, sofern es die Anlagerenditen der Pensionskassen erlauben. Beim Umwandlungssatz sind die Verhältnisse schwieriger, denn niemand kann bei der Festsetzung des Umwandlungssatzes verlässliche Prognosen über die künftige Teuerungsentwicklung machen. Für einmal gesprochene Renten gibt es zudem, wie erwähnt, keine verbindlichen Regeln zur Teuerungsanpassung.

Es bleibt zu hoffen, dass die Pensionskassen bei einem allfälligen künftigen Anziehen der Inflation in der Lage und willens sind, die laufenden Renten zumindest teilweise der Teuerung anzupassen. In der Regel stehen nämlich einer Inflation auch höhere „sichere“ Kapitalerträge gegenüber, welche eine Anpassung nach oben ermöglichen sollten. Voraussetzung ist natürlich, dass die Pensionskassen dannzumal nicht in Schieflage, sprich Unterdeckung, sind. Dazu sind Senkungen der Umwandlungssätze im aktuellen Anlage-Umfeld bei vielen Vorsorgeeinrichtungen leider unumgänglich.