Über Berufsjugendliche und Muotathaler Zinsprognosen. Ein Bericht von der XIV. AIS vom 16. November 2018

Wenn an einem Tag elf Referenten über Schweizer Pensionskassen sprechen, wird die Aufmerksamkeit der über hundert Zuhörer ordentlich gefordert. Natürlich bleibt nicht alles hängen. Einiges gräbt sich aber tief in das Gedächtnis hinein und regt zum Nachdenken an. Beim schreibenden Chronisten zum Beispiel waren es die folgenden Aussagen:

"Hin und her macht die Taschen leer: Pensionskassen mit einer aktiven Steuerung der Asset Allocation verlieren Geld im Vergleich mit dem Benchmark."

"Mit der PK-Reform geht es frühestens in einem Jahr weiter. Zuerst wird über den AHV-/Steuerdeal abgestimmt und dann folgen die Parlamentswahlen."

"Muotathal oder SNB? Woher kommen die besseren Zinsprognosen?"

"Wenn Frauen in männerdominierte Anlagegremien eintreten, werden Männer noch risikofreudiger in ihren Anlageentscheiden."

Die vierzehnte AIS vom 16. November 2018 bot wieder eine aktuelle Auslegeordnung der vielen Themen, welche für Pensionskassen von Bedeutung sind: Anlagen, Steuern, Revision, Recht (und Unrecht inkl. Generationenungerechtigkeit), Risikomanagement, Aktuarielles und gesellschaftliche Entwicklungen. Wie gewohnt illustriert mit vielen Beispielen aus der Praxis für die anwesenden Praktiker der Personalvorsorge.

Man lernte aber auch, dass nicht jeder Professor sein Wissen staubtrocken vermittelt: Gelacht und geschmunzelt wurde bei den Ausführungen von Altersforscher Prof. François Höpflinger, zum Beispiel als er sich zu Berufsjugendlichen und hyperaktiven Rentnern äusserte. Aber nicht alles, was er sagte, stimmte fröhlich, denn es zeigte sich wieder einmal, wie schwierig die Einschätzung der weiteren Entwicklung der Langlebigkeit ist.

Der entspannte Zuschauer stellte zudem (mit gehörigem Abstand auf den steil ansteigenden Rängen im Aarauer Kultur- und Kongresszentrum) erstaunt oder amüsiert fest, wie stark sich die Aussagen verschiedener Referenten zu einer sinnvollen Anlagetätigkeit unterscheiden. Der eine schwört auf eine indexnahe, passive Anlagepolitik, während ein anderer davon überzeugt ist, dass es mit feiner externer Beratung möglich ist, den Gesamtmarkt zu schlagen. Einig war man sich immerhin, dass der Mensch als irrational-emotionales Wesen nicht immer die besten Anlageentscheide trifft. Von wegen "homo oeconomicus".

Nach den anlagephilosophischen Exkursen freute man sich über die Präsentation einer handfesten mathematischen Formel, welche im Moment zur Festlegung des Mindestzinses kursiert: Mindestzinssatz = r10+0.3*(r25plus;Ø3J-r10). Wäre doch schön, wenn sich künftig diese wichtige Grösse in der Berufsvorsorge jenseits von politischen Ränkespielen ganz einfach berechnen liesse. Details dazu finden Sie hier.

Auch für Krimifans war gesorgt. Anhand des Beispiels einer kriminellen Handlung wurde aufgezeigt, wie Pensionskassen ihre Risiken einschätzen können. Konkret: Wie schlimm ist es für eine Pensionskasse, wenn der Geschäftsführer sich mit CHF 10 Mio. aus dem Staub macht?

Es hatte also auch an der diesjährigen AIS für jeden Geschmack etwas Passendes im Angebot. Wir werden die erfolgreiche Reihe selbstverständlich fortsetzen und auch im kommenden Jahr diese beliebte GEWOS-Tagung wieder durchführen, Nummer 15 an der Zahl. Das Datum können Sie sich jetzt schon in die Agenda eintragen: Freitag, 15. November 2019. Wir wagen schon heute eine Prognose, die mindestens so zuverlässig ist wie die Erwartungen der Asset Manager Ihrer Bank: Auch die nächste Veranstaltung wird wieder ein Feuerwerk an Referenten und Themen. Wir freuen uns auf Sie.

Hier finden Sie alle Details zum Programm der diesjährigen GEWOS-Tagung, der XIV. AIS vom 16. November 2018.