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PK-Rente bald nur noch für Marathonläufer? - Über Risiken und Nebenwirkungen von Rentensenkungen

12.03.2018 09:51

Umwandlungssätze im freien Fall: Sätze um 5% sind in umhüllenden Kassen mittlerweile keine Seltenheit mehr. Im Januar 2018 setzte die Pensionskasse einer Schweizer Bank einen neuen Rekord nach unten. Sie kündigte eine Reduktion auf 4.42% an. Zur Erinnerung: Nach der Einführung des BVG 1985 wurde fast zwanzig Jahre lang mit 7.2% verrentet

 

Gentests, Dr. Google: Sind Sie fit für die Rente?

Sinken die Renten auf solche Niveaus, werden noch mehr Versicherte die Kapitaloption wählen, was nicht im Sinne des Gesetzgebers war. Nur noch wer topfit ist und mit einer deutlich überdurchschnittlichen Lebenserwartung rechnet, wird sich für die Rentenoption entscheiden. Hinzu kommen vielleicht noch die seltenen Rentner, welche eine junge Frau und eine stattliche Kinderschar an ihrer Seite haben (wegen den Witwen- und Kinderrenten). Die Möglichkeit, immer mehr über den eigenen Gesundheitszustand zu erfahren, wird zu einer weiteren Antiselektion führen. Stichworte sind Gentests, Dr. Google, Fitness-Apps. Wer glaubt, recht genau zu wissen, dass er nicht überdurchschnittlich lange zu leben hat, wird das Kapital beziehen.

Die Pensionskassen verbleiben dann auf den Rentnern mit einer erhöhten Lebenserwartung oder mit der erwähnten Kinderschar. Der erhoffte positive Effekt der Umwandlungssatz-Senkungen auf die finanzielle Stabilität der Pensionskassen könnte durch diese Antiselektion also wieder zunichte gemacht werden.

 

 

Steigende Zinsen: Kaufkraftverlust kompensieren

Aber auch für vermeintlich gesunde Versicherte ist es keineswegs klar, ob sich die Rentenoption langfristig auszahlt. Eine ansteigende Inflation, wie sie von vielen Auguren erwartet und von den Pensionskassen erhofft wird, würde die Kaufkraft der Rentenbezüger nämlich weiter schmälern. Ein Ausgleich durch freiwillige Zusatzrenten der Pensionskassen ist in einem solchen Szenario nicht garantiert und wird unterschiedlich gehandhabt werden.

Viele Versicherte überschätzen ihr Anlagewissen. Die (vermeintliche) Kompensation von Kaufkraftverlusten bei einer allfälligen Teuerung ist für sie ein weiteres Argument für den Kapitalbezug. Sie denken, dass sie bei steigender Inflation durch eine Umschichtung bei ihren privaten Anlagen von steigenden Zinsen profitieren können.

 

 

Gesetzlich verordnetes Kapitalverbot

Für das Vorsorgesystems als Ganzes ist eine Entwicklung hin zu mehr Kapitalbezügern nicht wünschenswert. Pensionskassen sollen zusammen mit der AHV einer Mehrheit der Versicherten eine stabile Rente bis zu ihrem Ableben ermöglichen. Der Gesetzgeber vermutet, dass die AHV durch eine Zunahme der Ergänzungsleistungen belastet wird, wenn immer mehr Pensionierte die Kapitaloption wählen. Grund dafür sind Rentner, die ihr Anlagewissen überschätzen und ihre Lebenserwartung unterschätzen. Er prüft daher das Verbot eines Kapitalbezugs auf Teilen der Vorsorgeleistung, damit die Ergänzungsleistungen nicht durch die Decke schiessen. In der Frühjahrs-Session 2018 wird der Nationalrat in einer kontroversen Debatte darüber beraten. Wir können uns wieder auf eine heisse Auseinandersetzung gefasst machen, wie wir sie bei Diskussionen um die Altersvorsorge gewohnt sind.